Wasserwirtschaft trifft sich in Wermelskirchen: Auftakt zu den Arbeitgeberkonferenzen

Die Auftaktveranstaltung zur Arbeitgeberkonferenzen-Reihe in Wermelskirchen zeigte mit mehr als 70 Teilnehmer/innen aus Betrieben, Verbänden und Arbeitsmarktinstitutionen das hohe Interesse an dem Thema Fachkräftesicherung und –gewinnung in der Wasserwirtschaft.

Der Vormittag

Die Bedeutung einer funktionierenden Wasserwirtschaft für Mensch, Natur und Wirtschaft unterstrich Ministerin Ursula Heinen-Esser in ihrem eröffnenden Grußwort. Sie betonte hierbei, dass wir uns einen Fachkräftemangel in der Wasserwirtschaft nicht leisten können. Zu elementar sind die Aufgaben der Daseinsvorsorge, die von den Betrieben der Wasserwirtschaft wahrgenommen werden. Die Notwendigkeit, bezüglich der Fachkräftesicherung in der Wasserwirtschaft aktiv zu werden ist wichtig, damit Bürger/innen auch zukünftig auf eine leistungsfähige sichere Wasserwirtschaft vertrauen können. Daher muss die Gewinnung von Fachkräften auch vor Ort von den Entscheidern ernst genommen werden. Im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft muss die Wasserwirtschaft stärker ins Bewusstsein junger Menschen in der Berufsorientierungsphase gelenkt werden. Ministerin Heinen-Esser rief dazu auf, durch einen gemeinsamen Auftritt der Wasserwirtschaft spartenübergreifend sowohl regional wie auch überregional zu agieren.

Wermelskirchens Bürgermeister Rainer Bleek bedankte sich in seinem Grußwort dafür, dass die Auftaktveranstaltung in Wermelskirchen ausgerichtet wurde und betonte die Bedeutung der Wasserwirtschaft für die Region und für seine Stadt. Die Herausforderungen des Fachkräftemangels seien auch in Wermelskirchen spürbar. Die lokalen Unternehmen – teilweise mit internationalen Handelsbeziehungen – stehen auch in Wermelskirchen vor der Herausforderung, genügend ausgebildete Mitarbeiter zu finden.

Digitalisierung und Globalisierung betreffen auch die Wasserwirtschaft

Ministerin Ursuala Heinen-Esser spricht an einem Rednerpult zu den Teilnehmern
Arbeitgeberkonferenz Technischer Nachwuchs für die Wasserwirtschaft Wermelskirchen: Ministerin Ursula Heinen-Esser

Die Vorträge von HR-Beraterin Heike Schönmann zu den heutigen Herausforderungen (Digitalisierung, gesell. Wandel, Globalisierung und demografischer Wandel) sowie von Gerhard Wölwer zu den Maßnahmen und Kooperationen im Rheinisch-Bergischen-Kreis (:aqualon) gaben erste Impulse und eine große Fülle an Informationen für die Teilnehmenden. Heike Schönmann begann ihren Vortrag mit einigen Beispielen aus der rheinland-pfälzischen Chemiebranche, die ebenfalls vom Fachkräftemangel und Nachwuchsmangel betroffen ist.

In ihrem Vortrag ging Schönmann auf die Generationen, ihre Unterschiede und die jeweils unterschiedliche Art und Weise der Ansprache an die jeweilige Generation. Zu nennen sind hierbei die Generation Baby-Boomer, Generationen X, Y und Z. Jede Generation hat eigene Anforderungen an ihren Job und eine eigene Arbeitseinstellung. Auch auf die Spezifika in der Kommunikation, wie bspw. die Ansprache der Generation Z über WhatsApp statt per Mail, ging Frau Schönmann in ihrem Vortrag ein.

Gerhard Wölwer beschrieb in seinem Vortrag die Bedeutung der Wasserwirtschaft für die Region, die er als Bergisches Rheinland beschreibt (umfassend den OBK, den RBK, den RSK sowie das Rheinland um Köln und Bonn). Als besondere Einrichtung für die Region nannte er :aqualon, eine Vereinigung, die Potenziale der Wasserwirtschaft entwickelt und bündelt. Auf mehreren Säulen aufgebaut werden Angebote für Menschen, insbesondere für Kinder und Familien, geschaffen. Als Beispiele nannte er das gut ausgebaute Netz an Wanderwegen an der Großen Dhünntalsperre, entlang derer Informationstafeln den Besucherinnen und Besuchern wasserwirtschaftliche Elemente näherbringen oder Aktionstage an wasserwirtschaftlichen Anlagen wie Talsperren, zu denen mehrere Tausend Menschen kommen. Bei solchen Gelegenheiten sieht Wölwer Potenziale, um Fachkräftegewinnung und Imagearbeit zu positionieren.

An Schulen kommt das Bergische Umweltmobil zum Einsatz

Für die Schulen ist ein sogenanntes „Bergisches Umweltmobil“ im Einsatz, das sowohl Grundschulen wie auch die Sekundarstufe I anspricht. Hierbei werden Schüler/innen auch als Multiplikatoren für wasserwirtschaftliche Themen wahrgenommen. In Zusammenarbeit mit Hochschulen veranstaltet :aqualon App-Programmierungstage für Schüler/innen, um diese für IT-Berufe in der Branche zu gewinnen.

Die kurze Initiativ-Diskussion zeigte das breite Spektrum an anwesenden Expert/innen und zeigte erste konkrete Umsetzungsmöglichkeiten (bspw. gelungene Ausbildungsintegration durch das KI RBK) auf. Nach einer einstündigen Mittagspause, die von den Teilnehmenden auch intensiv zur Vernetzung und zum Austausch genutzt wurde, startete die Arbeit in den Zukunftsforen.

Der Nachmittag

Die Fülle an Ergebnisse aus den Zukunftsforen wurde im Abschluss der Veranstaltung vorgestellt. Hieraus haben sich erste Aufgaben und Handlungsempfehlungen ergeben. Zudem hat sich gezeigt, dass an diesen Ergebnissen in den folgenden Arbeitskongressen angeknüpft werden kann und ein brancheneigenes Bild entwickelt werden kann.

Es wurden insgesamt fünf von Teilnehmnden moderierte Zukunftsforen angeboten.

  • Jan Nicolai Hennemann (Kompetenznetzwerk Umweltwirtschaft.NRW) moderierte das Forum „Markenauftritt Wasserwirtschaft“
  • Frau Schönmann moderierte das Forum „Früh dran sein –lohnt (es) sich?!“
  • Christian Forkel (RWE Power AG) moderierte das Forum „Neue Ausbildung – aber wie? Unternehmen“
  • Andreas Giga (Stadt Essen) moderierte das Forum „Neue Ausbildung – aber wie? Verwaltung“
  • Stephan Tolkmitt (DVGW) moderierte das Forum „Was, wenn der Fachkräftemangel kommt?

Die Teilnehmer sitzen auf Stuhlreihen vor dem Podium und hören einem Vortrag zu.

Ergebnisse

Konkrete Handlungsmöglichkeiten wurden identifiziert:

  • Ansprache der Kom. Koordinierungsstellen für Werbung an Schulen
  • Zusammenarbeit mit Partnern in der Region (Agentur für Arbeit, KoKo, KI, IHK)
  • Gemeinsame Events und Marketingaktionen mehrerer Akteure in einer Region
  • Notwendigkeit der Nutzung von Social Media Kanälen
  • Moderne Kommunikationskanäle wie WhatsApp und Chatfunktionen (bspw. Chatbot)
  • Schaltung von Werbung (Radio, Linienbusse, lokale Kinos)
  • Änderung der Berufsbezeichnungen
  • Ausbildung über Bedarf
  • Unternehmenskultur:
    • Motivation und Vertrauen geben
    • Offenheit und Flexibilität leben (bspw. bei Schwangerschaften)
    • Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice

Aufruf und Handlungsforderungen

  • Unternehmen und Führungskräften sollte Handlungsnotwendigkeit bewusst sein
  • Informationen für Jugendliche aufarbeiten, als Videos, in einem Museum, als Virtual Reality etc. (VKU, DVGW, MULNV etc.?)
  • Anstoß Diskussion zu Berufsausbildung im Berufsausbildungsausschuss (LANUV)
  • Betriebe sollten kommunale Anlaufstellen stärker nutzen (KIs und KoKos)

Überzeugende Argumente für die Arbeit in der Wasserwirtschaft

  • Ansehen in der Öffentlichkeit (muss erzeugt werden)
  • Sicherheit des Arbeitsplatzes
  • Perspektiven: Persönliche Entwicklungsmöglichkeiten
  • Attraktive Ausbildungsberufe (Fachkraft für WVT/AT)
  • Heimatnahes Arbeiten möglich
  • Unbefristete Verträge
  • Sinnhaftigkeit der Arbeit (Umweltschutz, Dienst am Allgemeinwohl)
  • Identifikation mit der Aufgabe (siehe Sinnhaftigkeit)

Herausforderungen beim Markenauftritt Wasserwirtschaft

  • Umweltschutz ist bei Generationen Y und Z wichtig, aber nur global wahrgenommen, nicht lokal
  • Studium: Praktischer Bezug fehlt (Was macht man im berufl. Leben wirklich?)
  • Kontakte zu Hochschulen (Messen etc.) fehlen
  • Wasserwirtschaft ist aktuell nicht „hip“! Alles ist dort auch bereits geregelt.

Erkenntnisse für die Wasserwirtschaftsverwaltung

  • Dienstanweisungen „öffnen“, zeitgemäß anpassen
  • Digitalisierung vorantreiben (schafft Flexibilität wie Homeoffice etc.)
  • Zusatzmodule der Ausbildung anbieten und publizieren
  • Überhangstellen zur Einarbeitung schaffen
  • Eine Informationsplattform sollte eingerichtet werden
  • Duale Studiengänge der WaWi-Verwaltung sollten geschaffen/ausgebaut werden
  • Gezielte Kooperation mit Hochschulen
  • Ausbildungs- und Fortbildungsbudget sollte bereitgestellt werden, darüber hinaus Ausbildung 2.0 (Ausbildung nach der Ausbildung) schaffen

Die Ergebnisse und die Dokumentation der Arbeitgeberkonferenz Technischer Nachwuchs für die Wasserwirtschaft können Sie hier einsehen und herunterladen.

Arbeitgeberkonferenz Technischer Nachwuchs für die Wasserwirtschaft Wermelskirchen: Jan Nicolai Hennemann vom Kompetenznetzwerk hält ein Mikrofon und spricht mit weiteren Teilnehmern der Arbeitgeberkonferenz.

Wir möchten uns für die aktive Teilnahme an unserer Arbeitgeberkonferenz Wasserwirtschaft bedanken. Wie vereinbart werden die Themen in den weiteren regionalen Arbeitgeberkonferenzen fortgeführt und Lösungsansätze weiterentwickelt. Die Ergebnisse aller Arbeitgeberkonferenzen tragen wir am 30. November in unserer Abschlussveranstaltung im BEW Duisburg zusammen und würden uns freuen, diese mit Ihnen gemeinsam zu diskutieren, um konkrete nächste Schritte auf den Weg zu bringen.

 

 

 


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