Vertical Farming – Zukunft der Nahrungsmittelproduktion oder urbane Nische?

Urbanisierung, Bevölkerungswachstum und Ressourcenknappheit prägen zunehmend die Anforderungen an unsere etablierten Formen der Landbewirtschaftung. Inwiefern bietet Vertikale Landwirtschaft hier einen Ansatzpunkt, um diesen Herausforderungen nachhaltig zu begegnen?

Bei unserem Thementisch Vertical Farming wurden unterschiedliche Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis zusammengebracht, um diese Frage zu beantworten. Es ging darum, technische, ökologische, ökonomische und auch politische Chancen und Hemmnisse der vertikalen Landwirtschaft zu identifizieren. So schafften wir eine Plattform für Diskussionen, thematischen Austausch und potenzielle Kooperationen.

Den Anfang machte Volkmar Keuter mit seinem Vortrag zu „inFARMING – Vertikaler Gartenbau Geschäftsfeld der Zukunft?“. Vertical Farming kann als Schnittstelle zwischen Bioökonomie und Landwirtschaft systemisch Lösungen anbieten. Letztendlich wird sich nach seiner Meinung die Technologie nur durchsetzen, wenn die Qualität stimmt. Dabei betonte er besonders die Bedeutung von LEDs als das entscheidende ökonomische Element von Vertical Farming.

Den Anschluss daran machten Daniel Kats (Head of Sales) und Pavlos Kalaitzoglou (Head of Plant Science) von INFARM. INFARM ist ein innovatives Start-up aus Berlin, das sich national und international im Aufschwung befindet. Das Start-up hat ein modulares Farm-Konzept entwickelt, in dem Salate und Kräuter frisch in Gebäuden gezüchtet werden können (siehe Bild). INFARM installiert seine Farmen europaweit neben großen Supermarktketten auch in Restaurants, in denen die geernteten Pflanzen direkt in der Küche eingesetzt werden – als nächster Schritt ist der Vertrieb über amazonfresh geplant.

Nach der Mittagspause sprach Rolf Morgenstern (Fachhochschule Südwestfalen) über die öffentliche Wahrnehmung und die Grenzen der Effizienz bei Vertical Farming. Den Abschluss machte Prof. Dr. Ulrich Schurr (FZ Jülich) mit einem Vortrag zu „Integration Pflanze-Technologie: Online Quantifizierung von Pflanze und (kontrollierter) Umwelt zur Optimierung von Quantität, Qualität und Ressourcennutzung“.

Im Anschluss wurde von den Teilnehmenden rege über die Frage des Thementisches, ob Vertical Farming die Zukunft der Lebensmittelproduktion oder eine urbane Nische ist, diskutiert. Ein Ergebnis der Diskussion war, dass Vertical Farming sich, neben dem von INFARM gewählten Ansatz, vor allem für die Pharma- und Kosmetikindustrie, in der Züchtung von Spezialkulturen oder Extremgebieten, wie der Wüste, eignet und somit eher als Nische zu betrachten ist
Von dem Innovationsgeist von INFARM kann jedoch auch in der klassischen, horizontalen Landwirtschaft und dem Gartenbau gelernt werden. Dafür würden grundlegend Orte, an denen sich die Beteiligten der gesamten landwirtschaftlichen Lieferkette austauschen können und Interdisziplinarität Raum findet, benötigt. Nach Meinung der Diskutanten wären Lernorte oder Innovation Hubs wünschenswert, in dem innovative Technologien der Landwirtschaft getestet und diskutiert werden. Denn die Landwirtschaft ist in vielen Bereichen innovativ, sie wird nur oftmals nicht als solche wahrgenommen und befördert.

Wir möchten uns besonders beim Forschungsnetzwerk NRW-Agrar für die erfolgreiche Zusammenarbeit und allen Teilnehmenden für die rege Diskussion bedanken.


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