Summit Umweltwirtschaft.NRW 2018: Vorn ist uns zu weit hinten

Zweites Gipfeltreffen der Umweltwirtschaft.NRW in der Messe Essen

Den Einführungsfilm zum zweiten Tag des Summits können Sie sich hier anschauen.

Eine Bildergalerie finden Sie hier.

Vorn ist uns zu weit hinten! Dieses ambitionierte Motto hat Prof. Hans-Jörg Bullinger, langjähriger Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft und heutiger Senator, der Umweltwirtschaft NRW mit auf den Weg gegeben. Als Key-Note-Speaker stand Prof. Bullinger am zweiten Tag des Gipfeltreffens der Umweltwirtschaft.NRW in der Messe Essen auf dem Podium. Mehr als 400 Besucherinnen und Besucher nutzten die Chance, sich beim Summit Umweltwirtschaft.NRW 2018 auszutauschen, zu diskutieren und an den Ständen der Begleitausstellung im Foyer der Messe Ost zu informieren (das Programm finden Sie hier).

Wo dieses „Vorn“ ist, von dem Prof. Bullinger gesprochen hat, davon hat die Umweltwirtschaft.NRW bereits heute eine ziemlich konkrete Vorstellung. Häufig war an den zwei Tagen die Rede von der „Pole-Position“ des Landes (Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann, MULNV) und der Vorreiterrolle des Landes als zukünftig „digital vernetzte Leitregion“ (Staatssekretär Christoph Dammermann, MWIDE). Dass die Umweltwirtschaft eine Wachstumsbranche ist, ist unstrittig. Dass sie in NRW besonders gut dasteht, auch: „Wir haben bundesweit eine echte Spitzenposition“, bekräftigte NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser bei ihrer Rede am ersten Veranstaltungstag. Mittlerweile bringe die Branche mehr als 377.000 Menschen in Lohn und Brot. Geht es nach der Umweltwirtschaftsstrategie des Landes NRW, sollen es bis 2030 mehr als 460.000 Erwerbstätige sein. Und so attestierte auch Christoph Dammermann: „Das Land brummt.“ Es gerate aber zeitgleich ökonomisch und ökologisch an Kapazitätsgrenzen. Eine ungemeine Herausforderung, in der die Digitalisierung echte Chancen bietet.

Dynamik pur: Digitalisierung in der Umweltwirtschaft/
Summit Umweltwirtschaft.NRW 2018

Daher stand die zweite Auflage des Summit Umweltwirtschaft.NRW in 2018 (einen Bericht zum Summit in 2017 finden Sie hier) unter dem Motto: Dynamik pur: Digitalisierung in der Umweltwirtschaft. Ihr müssen sich Unternehmen, Forschung und Politik gemeinsam stellen. Um den anstehenden Veränderungen Tribut zu zollen und Ideen, Wege und Strategien aufzuzeigen, wie sich die Branche zukünftig aufstellen, verändern und sich an neue Produktions- und Lebenswirklichkeiten anpassen kann. Denn: „Digitalisierung ist nicht einfach nur eine neue Stufe der Automatisierung“ wie es Staatssekretär Dammermann formulierte. Vielmehr durchdringe sie sämtliche Bereiche der Lebens- und Arbeitswelt der Menschen. „Wir müssen begreifen, dass alles mit allem zusammenhängt“, brachte es Key-Note-Speaker Karl-Heinz Land, Insider der digitalen Transformation auf den Punkt. „Die Digitalisierung“, betonte Staatssekretär Dr. Bottermann, „ist kein Selbstzweck.“ Vielmehr unterstützte sie die Umweltwirtschaft, die Ökonomie und Ökologie zusammenbringen und bilde so die Grundlage für neue Geschäftsmodelle. Sie leiste etwa einen wertvollen Beitrag zur Energieeffizienz und sei damit wichtig für den Industriestandort NRW. Um das gesamte Potenzial zu realisieren, brauche es daher „gemeinsame Anstrengungen von Wirtschaft und Politik.“

Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann (MULNV,l.) diskutiert mit Prof. Hans-Jörg Bullinger, Senator Fraunhofer Gesellschaft über Innovationspotenziale in der Umweltwirtschaft. Angela Elis moderierte das Gespräch.

Teilnehmende bringen sich in sechs Sessions aktiv ein

Aus der passiven Zuhörerrolle im Plenum hinein in den aktiven Part konnten die Besucherinnen und Besucher in den sechs angebotenen Workshops wechseln:

  • Status-Seminar zum Leitmarktwettbewerb EnergieUmweltwirtschaft.NRW
  • Wasserwirtschaft 4.0: Automatisierung – Digitalisierung – Vernetzung
  • Internationales Aussteller-Café
  • Arena Circular Economy
  • Dicke Luft in Städten – Quellen und Minderungsmöglichkeiten
  • Lokales Handwerk – digitale Lösungen vor Ort

Zu den Bereichen Förderung, Handwerk, Luftqualität und Abfall- und Wasserwirtschaft wurde diskutiert. Immer mit Blick auf die Digitalisierung und Marktentwicklung. Dabei sind die Entwicklungsstufen, in denen sich Betriebe und Arbeitnehmer/innen, gar ganze Branchen befinden, sehr unterschiedlich. „Bei Blockchain und den dazugehörigen Anwendungspotenzialen ist noch ganz schön Luft nach oben“, attestierte etwa Susanne Tettinger, Leiterin der Session Wasserwirtschaft 4.0.

Ressourceneffizienz und Digitalisierung warwn auch Themen im Vortrag von Prof. Dr. Martin Faulstich, TU Clausthal. Circular Economy – Mehr als nur Kreislaufwirtschaft? war sein Impuls übertitelt. Seine Strategie, um den globalen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen – Stichwort fossile Rohstoffe, Klimawandel — umfasst einen Dreiklang aus Leasing/Sharing, Multifunktionalität sowie Mehrfachnutzung von Produkten gekoppelt an Zeitlosig- bzw. Langlebigkeit, Recycling sowie Innovationsoffenheit und Identifikation. Zudem müssten die Bereiche Demontage, Aufbereitung und Sammlung fest verankert werden. Mehr noch: Faulstich bringt eine eigene Ressourcenstrategie für NRW ins Spiel. Eine Idee, die auch von Ministerin Heinen-Esser kommentiert wurde. Zwar nicht persönlich, da die Zeit zum nächsten Termin drängte, aber über Twitter bestätigte sie dem Vortrag: „Das war ein starkes Statement!“

Nachhaltigkeit als Innovationstreiber

„Nachhaltigkeit als Innovationstreiber“ war dann der folgende Vortrag von Prof Dr. Christian Berg, Universität Kiel, übertitelt, der zu Beginn feststelle „Knappheiten treiben Innovationen an.“ Wir recht er damit hat, bewiesen am Abend des ersten Tages sechs junge Start-Ups:

Ihre Ideen für die Umweltwirtschaft von morgen konnten Sie in einem eigenen Pitch präsentieren. Durchsetzen konnte sich das Team von Einhundert Energie mit seinen digitalen Stromzählern „as a Service“ integriert in Ökoenergietarife für private und gewerbliche Mieter, die für Ihren Sieg eine Wildcard für den Gemeinschaftsstand des Kompetenznetzwerks auf der YoungTech Enterprise im Rahmen der Hannover Messe 2019 entgegennehmen konnte.

Am zweiten Tag standen die Forscherinnen und Forscher beim Hoschul-Casting im Fokus: Vor einer Jury präsentierten sie ihre Projekte:

  • Nicholas Kaufmann / Universität Siegen: Energiegewinnung aus gezeiteninduzierten Meeresströmungen
  • Birgitta Hörnschemeyer / Fachhochschule Münster: Hydrologische Modellierung der Verdunstung
  • Dr. Beate Agnes Krok / Universität Duisburg-Essen: Innovative Sanierungstechnologien auf der Grundlage von kolloidalen Eisenoxid-Nanopartikeln
  • Max-Fabian Volhard / FH Münster: Photochemischer Abbau von Verunreinigungen in Oberflächenwasser
  • Timo Broeker / Hochschule Ostwestfalen-Lippe: Implementierung eines bedarfsgerechten Power-to-Gas-Konzeptes in CO2 emittierende Fermentationsanlagen

Am meisten überzeugt hat Max-Fabian Volhard von der FH Münster, der mit „Mit Polyphosphat beschichtete Photokatalysatoren gegen den Plastikmüll“ auf dem ersten Platz landete und seine Idee somit nicht nur der Jury aus Fachhochschulen/Universitäten, Ministerium und Kompetenznetzwerk präsentieren durfte, sondern auch auf der großen Summit-Bühne. Max-Fabian Volhard und die Macher von Einhundert Energie bestätigten dann auch Ministerin Heinen-Esser in ihrer Aussage, dass es „heute völlig normal für junge Menschen ist, sich bei Gründungen mit grünen Themen zu beschäftigen.“

Diese Idee griff dann auch Dr. Heinrich Herbst, Leiter Kompetenznetzwerk Umweltwirtschaft.NRW, in seinem Schlusswort auf: Wir sollten mehr miteinander reden, um all die neuen Ideen weiter zu entwickeln und NRW weiter voran zu bringen.“ Und so kann vielleicht auch dem Wunsch von Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen entsprochen werden, der bei der Eröffnung der Begleitausstellung sagte: „Ich hoffe sehr, dass sich der Summit als regelmäßiger Branchentreff etablieren kann.“

In der Begleitausstellung des Summit Umweltwirtschaft.NRW 2018 präsentierten sich AAV- Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung, :metabolon, Business Metropole Ruhr, Effizienz-Agentur NRW, Energieagentur.NRW, Gode Consult, Intrapore, Leitmarktagentur.NRW, Neusta Software Developement West, NRW.Bank, NRW.International, Wessling GmbH, Verbraucherzentrale NRW, VTA Service. Die Ausstellerliste können Sie hier einsehen.

 


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