Das KNUW beim Kunststoffland NRW e.V.

Kunststoff neu denken – Chancen für unsere Industrie, ihre Kunden und Anwender, Kongress von Kunststoffland NRW e.V

Mit den motivierenden Worten „wir müssen die Gestalter des Veränderungsprozesses werden“, eröffnete Reinhard Hoffmann (Vorsitzender von kunststoffland NRW e. V. und Geschäftsführender Gesellschafter von Gerhardi Kunststofftechnik) den Kongress von kunststoffland NRW zum Thema „Kunststoffe neu denken“ am 10. Oktober 2018 auf der SASE in Iserlohn. Damit traf er den Kern der Veranstaltung, auf der die Chancen des Wandels in der Kunststoffindustrie für die Branche selbst, ihre Kunden und ihre Anwender diskutiert wurden.

Die Kunststoffbranche und der Kunststoff selbst befinden sich, nicht zuletzt durch den gesellschaftlichen Diskurs rund um die „Vermüllung der Weltmeere“, in einer spannenden Zeit, sagt Dr. Bärbel Naderer (Geschäftsführerin des kunststofflands NRW e.V.). Es ginge darum, Visionen im Sinne der EU Kunststoffstrategie und darüber hinaus zu entwickeln. Der Verein kunststoffland NRW nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein, der das Thema schon vor der EU Kunststoffstrategie besetzt hat. Um Kunststoffe neu zu denken, sei es notwendig, den gesamten Lebenszyklus zu betrachten.

Um Kunststoffe neu zu denken,
benötigt es auch gut ausgebildete Fachkräfte

Dr. Achim Ilzhöfer (Global Circular Economy Manager, Covestro) treibt die Weiterentwicklung von Kunststoffen in einer zirkulären Wirtschaft voran: die Hauptherausforderung liegt hier vor allem in den unterschiedlichen, nicht-harmonisierten Stoffströmen.  Um Kunststoffe neu zu denken, benötigt es auch gut ausgebildete Fachkräfte. Aufgrund der starken öffentlichen Kritik an „Plastik“ seien aber laut Thorsten Ratzmann (CEO Pöppelmann GmbH) immer weniger junge Leute motiviert, in der Kunststoffbranche zu arbeiten. Dabei leide der Kunststoff, als äußerst flexibler Werkstoff, auch zu Unrecht unter einem schlechten Ruf. Hauptproblem ist laut Ratzmann, dass immer mehr Verpackungen (single-use-plastics) gefordert werden, die unvermeidlich mit Umweltproblemen verbunden seien. Mit diesen single-use-plastics werde Kunststoff zu Unrecht über einen Kamm geschoren. Im Bau bspw. haben Kunststoffe eine Lebensdauer von über 30 Jahren und in Automobilen von über 15 Jahren. Außerdem leisten Kunststoffe einen elementaren Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, beispielsweise in der E-Mobilität.

Gebrauchten Kunststoff als Ressource wahrnehmen:
Meeresvermüllung und Abhängigkeit von fossilen Ressourcen begegnen

Auch Helmut Schmitz von der Duales System GmbH (Der Grüne Punkt) sieht drei zentrale Handlungsansätze um dem Verpackungsmüll und den gesellschaftlichen Anforderungen zu begegnen: Zum einen müssen gebrauchte Kunststoffe als Ressource wahrgenommen werden, die es zu nutzen gelte – das würde sowohl die Meeresvermüllung als auch die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen reduzieren. Zum anderen sei die Circular Economy entlang der gesamten Wertschöpfungskette, bspw. durch Design-for-Recylcing, ein wichtiger Hebel, den es weiter auszubauen gilt. Zuletzt seien die Produzenten in der Pflicht, ihre Verantwortung ernst zu nehmen und die an sie gestellten Erwartungen zu erfüllen. Dies gehe nur, wenn die Akteure aus unterschiedlichen Stufen der Wertschöpfungskette stärker als bisher zusammenarbeiten.

Alle Referenten waren sich einig, dass Zirkularität, Design-for-Recycling und Betrachtung von Lebenszyklen die entscheidenden Stellschrauben sind, um Kunststoffe neu zu denken. Nichtsdestotrotz müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher aber auch über die Vorteile von Kunststoffen aufgeklärt werden und dass Produkte aus Sekundärrohstoffen qualitativ nicht schlechter, aber oftmals teurer als herkömmliche Produkte sind.

Ergänzt wurden die Vorträge durch drei Schlaglichter mit motivierenden Unternehmensbeispielen von Sarah Herms (Tchibo GmbH), Dr. Ina-Maria Becker (Duales System GmbH) und Dr. Gerold Breuer (Erema Group GmbH) zu Kunststoffen in einer Kreislaufwirtschaft. Tchibo bietet beispielsweise sowohl recyclebare Produkte als auch solche aus recycelten Materialien an. Dr. Gerold Breuer verdeutlicht die Innovationskraft von Netzwerken und der firmenübergreifenden Zusammenarbeit. Sekundärrohstoffe müssen genutzt werden, um neue Produkte zu entwickeln, die nicht zwingend in Verbindung mit dem Primärprodukt stehen. Dr. Becker berichtet u.a. über die Entwicklung des RAL-Gütezeichens für Recycling-Kunststoff.

KNUW Thementisch/ Session
„In Lebenszyklen denken & Kreisläufe schließen – Kunststoffe effizient verwerten“

Nach einem kurzen Mittagsimbiss konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an drei Sessions beteiligen. Der Thementisch „In Lebenszyklen denken & Kreisläufe schließen – Kunststoffe effizient verwerten“ wurde dabei von KNUW-Leiter Oliver Lühr geleitet.

Die Gruppe aus Forschung, Entwicklern, Anwendern und Politik diskutierte intensiv den Markt für Rezyklate und Sekundärkunststoffe. Dabei standen folgende Fragen im Vordergrund:

  • wie kann sich der Markt für Rezyklate noch dynamischer entwickeln,
  • welche Rolle / Impulse können Endkunden und Markenhersteller setzen,
  • wie kann Innovationssicherheit für Recyclinganlagen geschaffen werden,
  • welche Vorgaben und Quoten werden benötigt,
  • wie kann die Innovationsfähigkeit durch Netzwerke befördert werden und zuletzt wie die Digitalisierung auf all diese Bereiche wirkt.

In einem weiteren Workshop diskutierte Dr. Henning Wilts (Wuppertal Institut Klima, Umwelt, Energie GmbH) neue Märkte für Rezyklate und Biokunststoffe „vom Kunden hergedacht“. Jürgen Bertling (Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT) moderierte die Session zu „Produkte neu denken – Von Anfang an“. Die geballte Kunststoffkompetenz und Kreativität der Veranstaltung hat gezeigt, dass sich Nordrhein-Westfalen als Modellregion für neugedachte Kunststoffe mehr als eignet.

Wir bedanken uns bei Kunststoffland NRW e.V. für die gute Zusammenarbeit und freuen uns auf das nächste Mal.

Das Programm finden sie hier.

Fotocredits: kunststoffland NRW e.V.


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