12.12.2017, Messe Essen

Das war der Netzwerk-Summit 2017
Umweltwirtschaft NRW:
Trends - Innovationen - Märkte

Vor rund 300 Gästen und Ausstellern hat NRW-Umweltministerin Christina Schulze Föcking am Dienstag, 12. Dezember 2017, das erste Gipfeltreffen der nordrhein-westfälischen Umweltwirtschaft eröffnet. Eingeladen hatte das Kompetenznetzwerk Umweltwirtschaft.NRW, das seine Arbeit auf Initiative des Ministeriums Anfang des Jahres aufgenommen hat. Denn: „NRW ist der größte Anbieter von Produkten und Dienstleistungen der Umweltwirtschaft in ganz Deutschland. Darauf können wir stolz sein“, betonte die Ministerin in ihrer Eröffnungsrede. Schulze Föcking machte aber auch deutlich: „Darauf können wir uns nicht ausruhen“. Daher versteht sich das Kompetenznetzwerk Umweltwirtschaft.NRW als zentrale Anlaufstelle für Unternehmen, Forschung, Verbänden, Hochschulen, Regionalagenturen und der Wirtschaftsförderung auf regionaler und lokaler Ebene. Ziel ist die Stärkung der Umweltwirtschaft in NRW über eine verbesserte Nutzung von nationalen und internationalen Marktchancen. Zukünftig soll der Netzwerk-Summit „fortan zum jährlichen Gipfel der nordrhein-westfälischen Umweltwirtschaft werden“, erklärte die Ministerin.

Branchentreffen in der Grünen Hauptstadt Europas

Für den erste Netzwerk-Summit hatten die Verantwortlichen nicht irgendeinen Ort in NRW ausgesucht, sondern die Messe Essen gewählt. Ein Branchentreffen in der Stadt also, die 2017 amtierende Grüne Hauptstadt Europas ist. Welchen Stand die Umweltwirtschaft in der Ruhrgebietsstadt hat, verdeutlichte Simone Raskob, Beigeordnete der Stadt Essen und Projektleiterin Grüne Hauptstadt: „Wir haben jetzt schon 12.800 Beschäftigte in dem Bereich und möchten das gern auf 20.000 ausbauen.“ Oder, wie es Rudolf Jelinek, 1. Bürgermeister der Stadt, formulierte: „Aus der einstigen Kohle- und Stahlstadt ist eine grüne Stadt geworden, die sich dem Klima- und Umweltschutz verschrieben hat.

Im Mittelpunkt stand der Austausch der Besucherinnen und Besucher untereinander, an den Ständen der Begleitausstellung sowie mit Expertinnen und Experten. Zu den Referenten gehörten zum Beispiel Dr. Marcus Knupp von Germany Trade & Invest oder Zukunftsforscher Matthias Horx, der in seinem Vortrag „Die blaue Ökonomie“ einen Bogen von Überbevölkerung, Energienutzung, veganer Wurst und Kleidung aus Milch hin zu den modernen Google Labs in Toronto schlug. Zudem wurde der neue Umweltwirtschaftsbericht 2017 vorgestellt, der den Status quo der Branche abbildet. Schulze Föcking: „Nordrhein-Westfalen ist bereits heute ein Global Player der Umweltwirtschaft.“ So hat die Umweltwirtschaft mit 28 Milliarden Euro mehr als sechs Prozent der Bruttowertschöpfung Nordrhein-Westfalens im Jahr 2015 erwirtschaftet. Mit rund 370.000 Erwerbstätigen sind in der Umweltwirtschaft zudem mehr Menschen beschäftigt als in jeder anderen Schlüsselbranche des Landes: Jeder 20. Erwerbstätige in Nordrhein-Westfalen kann zur Umweltwirtschaft gezählt werden.

Erstellt hat den Umweltwirtschaftsbericht das Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos AG im Auftrag des Ministeriums. Christian Böllhoff, Geschäftsführer der Prognos AG, stellte in seiner Präsentation die neuen Zahlen auf dem Podium in Essen vor. Er erklärte etwa, dass sich der Weltmarkt seit dem Jahr 2000 auf 550 Milliarden Euro mehr als verdoppelt habe. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden 2015 mehr als sechs Prozent (27,7 Mrd.) der Bruttowertschöpfung des Landes erwirtschaftet. Von 2010 bis 2016 ist die Erwerbstätigenzahl jährlich um 1,6 Prozent gestiegen. „Ich bin mir also sicher“, sagte Böllhoff, „dass uns die Arbeit nicht ausgehen wird. Ganz im Gegenteil.“

Bauchgefühl und ein gutes Netzwerk für den internationalen Erfolg

Am Nachmittag konnten sich die Vertreterinnen und Vertreter aus allen Teilmärkten der Umweltwirtschaft in vier verschiedenen Workshops einbringen und diskutieren. Die behandelten Themen umfassten die Wasserwirtschaft, Technologie in der Landwirtschaft, nachhaltige Mobilität und den endlichen Rohstoff Phosphor.

Moderator Tom Hegermann führte durch die nachmittägliche Gesprächsrunde, die sich den „Erfolgsfaktoren auf internationalen Märkten“ widmete. Dazu diskutierten Ulrich Brüß (A3 Water Solutions GmbH), Marcus Knupp (Germany Trade & Invest), Beate Koeber-Fleck (Claas Landmaschinen), Dennis Pulimittathu (Zenta Global Infratech GmbH) und Dr. Achim Ried von Xylem Services. Aus den Erfahrungen der Teilnehmenden kristallisierte sich ein Dreiklang heraus, um auf internationalem Parkett bestehen zu können: Marktdaten kennen, gesunder Menschenverstand und eine gute Portion Bauchgefühl. Und ohne ein gut funktionierendes Netzwerk mit verlässlichen Partnern im Zielland, da waren sich alle einig, kann eine Expansion nur schwerlich gelingen. Welche Hilfestellungen das Land NRW und das Kompetenznetzwerk dabei bieten können, erläuterten Dr. Esther Dörendahl (KNUW), Verena Würsing (NRW.BANK) und Alexandra Aulbach (NRW.International). Die NRW.BANK kooperiere etwa mit Finanzierern weltweit, erklärte Würsing, wohingegen etwa NRW.International etwa bei klassischer Außenwirtschaftsförderung (Z.B. Messereisen oder Messebesuch) zur Seite stehe. „Wir bringen die Branchenbrille für die Umweltwirtschaft mit“, erklärte Esther Dörendahl, „dabei greifen wir auf bekannte Strukturen zurück und regen Neues an.“ Denn im Vergleich zu anderen Branchen, die schon gut aufgestellt seien, könne es in der Umweltwirtschaft noch besser laufen.

Staatssekretär will Kapital und kluge Köpfe zusammenbringen

Der Abend gehörte den aufstrebenden Unternehmen aus NRW: Fünf Start-ups präsentierten sich und ihre Ideen in fünf Pitches von je fünf Minuten. Dazu wurden sie von den Business Angels befragt. Allen voran unterstützt von Vorstandsmitglied Dr. Ute Günther (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied pro Ruhrgebiet e.V.), die zu Beginn der Präsentationen erklärte: „Mein Herz schlägt für grüne Gründungen.“ Auf der Bühne präsentierten sich Vertreter von Gridhound, sustainabill, radbonus, volterion und Inzept 3D im Beisein von Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann, der in Richtung der Nachwuchsunternehmer und der anwesenden Teilnehmer erklärte: „Wir müssen kluge Köpfe und Kapital zusammenbringen.“ Denn: „Ich sehe Menschen, die für ihre Sache brennen und mit Leidenschaft zu Werke gehen. Doch manchmal, wenn die ersten Schritte gemacht sind, sind die jungen und klugen Köpfe überfordert. Dann müssen wir ihnen Unterstützung geben, damit aus ihren klugen Ideen etwas wird.“ Und wie sehr es sich für NRW lohnt, Ideen einen Raum zu geben, zeigt zum Beispiel die Zahl der Patente, die im Bereich der Umweltwirtschaft hier angemeldet werden. Der Umweltwirtschaftsbericht 2017 belegt: Nordrhein-Westfalen stellt umgerechnet rund zwei Prozent der weltweiten und 19 Prozent aller bundesweiten Patente der Umweltwirtschaft (2014). Damit ist NRW der patentstärkste Standort in Deutschland. „Und das Entwicklungspotenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft“, so Ministerin Schulze Föcking.

Nach der gelungenen Premiere soll es im Jahr 2018 eine Fortsetzung des Netzwerk-Summit als Plattform für die nordrhein-westfälische Umweltwirtschaft geben. Den Umweltwirtschaftsbericht 2017 gibt es hier als pdf.

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Das Kompetenznetzwerk Umweltwirtschaft.NRW ist Partner von Unternehmen, Forschung, Verbänden, Hochschulen, Regionalagenturen und der Wirtschaftsförderung auf regionaler und lokaler Ebene. Ziel ist die Stärkung der Umweltwirtschaft in NRW über eine verbesserte Nutzung von nationalen und internationalen Marktchancen.